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„Scheiß auf richtige Männer, ich will richtige Menschen“

Deutschrap fernab von sexistischen Inhalten, Mackertum und hedonistischem Materialismus – darauf konzentriert sich der Dortmunder Rapper Schlakks. Statt ausgediente Narrative zu reproduzieren, nimmt er uns seit Jahren mit auf seine musikalische Reise, ganz ohne sich mit der eigenen Männlichkeit zu profilieren. In seinen Texten spricht der MC sehr persönlich und offen über das Leben, die eigene Gefühlswelt und kommentiert zugleich gesellschaftliche sowie soziale Fragen unserer Zeit. Gekonnt verbindet Schlakks ernste, teils komplexe Inhalte mit der Freude zur Musik. Zwar findet seine Kunst hauptsächlich im Deutschrap-Underground und in der alternativen Kulturlandschaft statt, doch von einem Unbekannten kann keineswegs die Rede sein: Seit mehr als zehn Jahren bereichert er nun schon die deutschsprachige Szene mit seinen (selbst-)reflektierten und progressiven Reimen. Mit der Zeit hat Schlakks in dieser Hinsicht seinen ganz eigenen Sound kreiert. Dieser lässt sich irgendwo zwischen Oldschool, Funk, Clubkulisse und dem gewissen Etwas für Liebhaber:innen von guten deutschsprachigen Texten einordnen – immer dabei eine gehörige Portion Spaß an der Sache und Liebe zur Subkultur. Doch Spaß ist eben auch nicht alles und so geht Schlakks’ Musik inhaltlich immer wieder an die (gesellschaftskritische) Substanz, auf der Suche nach den passenden Worten, um die Komplexität dieser Welt zu erfassen.

„Wie würdest du deine Musik beschreiben? – Am liebsten gar nicht!“
Schlakks auf „Sonst noch Fragen“ aus der neuen LP “Wir werden von euch erzählen”

Nicht wegzudenken sind an Schlakks’ Seite seine Kompagnons Razzmatazz und OPEK, die den Rapper schon lange vor seiner letzten EP „Marseille“ (2020) oder der Vorgängerplatte „Indirekte Beleuchtung“ (2018) in puncto Sound und Producing unterstützten. Darüber hinaus bringen Razzmatazz und OPEK nicht nur im Studio ihre Skills ein, sondern auch bei Live-Auftritten am Schlagzeug und mit den Cuts. Zusammen konnte das Trio in den vergangenen Jahren so schon einige Festivalbühnen und Clubs abreißen – unter anderem auf der Fusion, dem Juicy Beats oder dem Nürnberg Pop Festival – und damit die feiernden Mengen für sich begeistern, wobei Schlakks mitunter mehr mit dem Mic in der Crowd unterwegs ist als tatsächlich on stage.

Doch ein Schritt nach dem nächsten… Die musikalische Reise von Frederik »Freddy« Schreiber aka Schlakks beginnt schon als Teenager im nördlichen Teil des Ruhrgebiets. Geboren und aufgewachsen in Dorsten, beschäftigt er sich viel mit dem deutschsprachigen HipHop dieser Zeit. Schon früh entwickelt sich bei ihm eine Leidenschaft für Sprache und den smarten Umgang mit Worten. Auch wenn es ihm selbst gar nicht bewusst war: Die Entscheidung Jahre später nach Dortmund zu ziehen und Angewandte Literatur- und Kulturwissenschaften zu studieren, kommt damals nicht von ungefähr. Doch schon zuvor, um das Jahr 2004 herum, unternimmt Schlakks seine ersten Versuche am Mic. Es folgen die ersten eigenen Aufnahmen, Mixtapes sowie 2010 die offizielle Debütplatte „Menschlich“. Mal introvertierter, mal mehr outgoing, fokussiert sich Schlakks in seinen Texten überwiegend auf seine persönliche Wahrnehmung, das Geschehen in seiner Umwelt und all die zwischenmenschlichen Nuancen dazwischen, die es seiner Meinung nach mal zu besprechen gäbe. Schlakks’ künstlerischer Grundtenor ist dabei weniger von Wut und Konfrontationszwang geprägt, als viel eher vom Tenor »Lass mal zusammenkommen und gemeinsam darüber reden, Leute«. Mit der Platte „Tat und Drang“ (2014) und dem Mixtape „Einfach mal wieder“ (2017) folgen wichtige musikalische Meilensteine in Schlakks’ Entwicklung hin zu dem charismatischen Live-MC, als welcher er im subkulturellen Raum gefeiert wird. In dieser Zeit kommen auch zunehmend mehr Razzmatazz und OPEK ins Spiel und komplementieren die Schlakks’sche Vision vom Deutschrap der Gegenwart: weniger Plattitüde, mehr lyrischer Inhalt und das Ganze auf handgemachten Beats mit Live-Instrumentals präsentiert, sodass bei Gigs auch die letzten Tanzmuffel zum Mitwippen animiert werden.

Schlakks, Razzmatazz und OPEK bilden als Trio musikalisch eine perfekte Symbiose. Diese hat sich nicht nur bewährt, sondern vor allem auch eine neue Ebene der Professionalität ins Spiel gebracht, wie unter anderem das letzte gemeinsame Projekt – die LP „Indirekte Beleuchtung“ (2018) – beweist. Bislang war die Arbeitsteilung bei den selbsternannten „Fraktus des Rap“ ganz klar geregelt. Jeder konzentrierte sich auf das, was er am besten kann: Schlakks an den Lyrics, Razzmatazz als DJ an den Plattentellern und OPEK am Schlagzeug – beide zudem auch für die Beats zuständig. Doch Schlakks’ Musik gibt nicht nur an die Außenwelt Impulse zur Weiterentwicklung und Reflexion, sondern wirkt auch im eigenen Dunstkreis und führt zu Progression. Für die neue Platte mit dem Titel „Wir werden von euch erzählen“ haben sich Razzmatazz und OPEK diesmal gemeinsam an die Beats gesetzt und eine Idee verfolgt, auf welche Schlakks dann seine Bars schrieb. Das Ergebnis ist ein originärer Sound irgendwo zwischen Synthie und Jazz, den sowohl Schlakks als auch wahrscheinlich die meisten Liebhaber:innen von deutschsprachigem Rap zuvor noch nicht gehört haben. 13 Tracks voller Energie, bereit für ausgelassene Live-Momente auf und vor der Bühne und dabei immer mit der Idee und dem Gefühl, die (eigene) gesellschaftskritische Haltung und Verantwortung zu reflektieren und sich dieser mehr denn je bewusst zu werden. Mit der LP „Wir werden von euch erzählen“, deren Release im Herbst 2021 ansteht, liefert Schlakks gemeinsam mit Razzmatazz und OPEK einen weiteren wichtigen Baustein in seiner musikalischen Biografie der wahrscheinlich persönlichsten Musik, die sowohl im Club laufen kann und als auch die Festivalbühnen abzureißen vermag.

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