SCHLAKKS

Schlakks aus Dortmund betreibt poetisch-partyerprobten Rap für zweifelnde Begeisterte und die, die es mal werden wollen. Auf der Suche nach den letzten Inseln der Freiheit ist er vor allem als Live-MC bekannt. Gemeinsam mit seinen Kompagnons Opek und Razzmatazz hat er in den letzten Jahren unzählige Festivalbühnen und Clubs abgerissen.

Auch wenn er sich wohlfühlt in seinem subkulturellen Nest und regelmäßig die gepflegte Ekstase erprobt, so kommt er nicht drumherum die Unordnungen der Gesellschaft des Spektakels zu thematisieren. Nicht er seit er in „Worüber reden wir hier“ kläglich daran scheiterte, einem Alien die Welt zu erklären, wirft er ein kritische Auge auf gesellschaftliche Schräglagen und die Kulturindustrie. Aber hey, Adorno findet er jetzt auch nicht so geil.

Schlakks zweifelt allerdings nicht nur an der Welt da draußen, sondern auch an der Welt in sich, zeigt Schwäche, zögert, stellt in Frage. Verdichtete Verse fliegen dabei mit eindeutigen Statements zusammen. Und eigentlich glaubt er daran, dass wir wissen, wie es besser geht.

SCHLAKKS&OPEK&RAZZMATAZZ

Nicht wegzudenken sind dabei Opek und Razzmatazz, die Schlakks nicht nur live begleiten, sondern auch im Studio. Die beiden Musiker pressen mit ihren Produktionen den gesammelten Live-Flair auf Platte und verbinden Sampling mit Live-Instrumentalisierung. Mal laid back und verjazzt, mal nach vorne fliegend, mal den Funk im Gepäck, mal ein Ausflug in die basslastige Musik, bilden sie ihren ganz eigenen Sound ab. Auf Platte erschafft das Trio eine intensive Welt, in die es sich einzutauchen lohnt. So findet man sich nach ausgiebiger Feierei im nächsten Track im Nachtzug wieder und sieht Licht und Schatten der Welt an sich vorbeiziehen. Irgendwo zwischen Old-School und 2020.

Live geht‘s bei Schlakks, Opek und Razzmatazz ziemlich zur Sache. Die selbst ernannten „Fraktus des Rap“ empfehlen ein paar Dehnübungen, bevor es los geht. Denn das Ding wird zusammen gefeiert und nicht alleine auf der Bühne. Die warmen Widerworte von Schlakks, dazu Opeks Drums und die Cuts von Razzmatazz. Drei Freaks auf der Bühne mit ’nem dicken Pfiff auf Genre-Dogmen, unbeeindruckt von Hypes, die kommen und gehen. Und zwischen Ausrasten, Zelebrieren und leisem Lächeln kann man auch mal zur Träne ansetzen, die sich in den Schweiß mischt und mit ‘nem High Five wieder aufgefangen wird.

Rap ohne Männlichkeitswahn und ohne Grenzen, der zwischen den Welten schwimmt und doch ganz genau weiß, wo er hingehört. Was dabei raus kommt ist wahrscheinlich die persönlichste Musik, die im Club laufen kann und die tiefgründigste Musik, die Festivalbühnen abreißt. Kommt zur Show. Sonst gucken wir alle irgendwann nur noch RTL2.